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Blutwerte & Laborwerte einfach erklärt – klar und verständlich

Anhand des Blutes und anderer Körperflüssigkeiten kann der Arzt Ihre Körperfunktionen beurteilen. Werte außerhalb der Norm legen Heilmaßnahmen nahe, deren Erfolg wiederum anhand von Laborwerten kontrolliert wird. Unser Ziel ist es, dass Sie Ihre Blutwerte verstehen.

Informationen aus Blut, Urin & Co.

Schon 1000 Jahre vor Christi Geburt sagten indische Priester: Ist das Gleichgewicht von Blut, Galle und Schleim gestört, wird der Mensch krank. Seit dieser Zeit werden menschliche Körpersäfte, Sekrete und Ausscheidungen zu medizinischen Zwecken genauer betrachtet.

500 Jahre später testeten griechische Ärzte den Geschmack des Urins, um am süßen Harn die Zuckerkrankheit zu erkennen. Ebenso gehörte die Überprüfung von Farbe und Geruch des Stuhls zu ihrer Untersuchung. Im späten Mittelalter machten »Pisspropheten« oder »Brunzdoktoren« Karriere – Medici, die ihre Diagnosen vor allem mithilfe der »Harnschau« stellten.

Sie befanden zum Beispiel:

»Ist der Harn rot und dünn, ist der Mensch hitzig, dürre und ein Cholericus.«

Der moderne Labortest (Laborwerte bestimmen) blickt also auf eine lange Tradition zurück. Bis heute gehört die Analyse von Blut und anderen Körperflüssigkeiten zu den wichtigsten Quellen medizinischer Erkenntnis.

Substanzen, die untersucht werden

Jede dritte Diagnose wird heute erst nach einer Auswertung von Laboruntersuchungen gestellt. In 90 Prozent aller Fälle sind dies Blut- und Urinuntersuchungen. In den folgenden Substanzen fahnden die Mediziner unter anderem nach Krankheiten:

  • Blut: In unseren fünf bis sechs Litern Lebenssaft reisen Milliarden von roten und weißen Blutkörperchen zusammen mit Abwehrzellen (Immunzellen) und Blutplättchen auf einem Streckennetz von etwa 100 000 Blutgefäß-Kilometern. Sie transportieren Sauerstoff zu den Organen, bekämpfen Krankheitserreger und reparieren defekte Blutgefäße. Ergibt eine Laboranalyse, dass die Zahl oder das Aussehen der im Blut transportierten Zellen von der Norm abweicht, ist das oft die erste Fährte zur Erkennung von Infektionen, Vergiftungen oder auch Krebs.
  • Urin: In etwa zwei Litern Harn werden täglich Abfallprodukte des Stoffwechsels, abgebaute Zellteile und von den Nieren ausgefilterte Schadstoffe aus dem Körper gespült. Deshalb geben Harnanalysen Aufschluss über Stoffwechselstörungen, Organerkrankungen, etwa von Nieren, Harnwegen und Leber, Infektionen und Vergiftungen.
  • Speichel: Einen bis zwei Liter Sekret produzieren die Speicheldrüsen im Mund pro Tag. Darin enthalten sind Mineralien und Eiweiße (Enzyme), Immunzellen und Botenstoffe (Hormone). Durch Untersuchung des Speichels, der mithilfe einer Watterolle oder mit einem Spezialkaugummi entnommen wird, kann beispielsweise ein Befall des Mundraums durch Bakterien festgestellt werden.
  • Stuhl: Er enthält nicht nur Wasser und unverdaute Nahrungsreste, sondern auch abgestorbene Zellen aus der Darmschleimhaut, Schleimanteile, Darmsekrete, Darmbakterien, Eiweiße (Enzyme), Gallenflüssigkeit und Mineralien. Aus der Untersuchung des Stuhls kann der Arzt Rückschlüsse auf spezielle Organstörungen, Infektionen mit krankheitserregenden Bakterien, Viren, Parasiten oder Pilzen und sogar auf Krebs ziehen. Stuhlproben werden vor allem bei Verdacht auf Erkrankungen des Verdauungstrakts benötigt.
  • Schleimhaut-Abstriche: Wenn der Arzt mit einem Wattestäbchen über Haut oder Schleimhaut streicht, bleiben unter anderem Körperzellen daran haften, die untersucht werden können.Gefahndet wird auf diese Weise zum Beispiel nach krankheitserregenden Keimen oder – mithilfe von Mikroskopen – nach Tumorzellen. Es werden unter anderem Abstriche von Augen, Mundhöhle, Harnröhre, Muttermund und Scheide genommen.
  • Sputum (Auswurf): Der abgehustete zähflüssige Lungenschleim wird in einem Gefäß aufgefangen und im Labor untersucht. Der Arzt erfährt auf diesem Weg, welche Erreger beispielsweise eine Bronchitis oder Lungenentzündung ausgelöst haben oder ob eine Tuberkulose vorliegt.
  • Magensaft: Die saure Mischung aus Schleim, Salzsäure, Mineralien und Enzymen spaltet die Nahrung auf und vernichtet Bakterien. Die Probe wird mithilfe einer dünnen Sonde aus Kunststoff genommen, die durch Nase oder Mund bis in den Magen geschoben wird.
  • Sperma: Es wird vor allem zur Aufklärung männlicher Fruchtbarkeitsstörungen untersucht, gibt aber auch Aufschluss über Krankheiten der Hoden, der Samenbläschen und der Prostata.
  • Liquor (Gehirnwasser): Diese Flüssigkeit polstert wie ein Kissen Gehirn und Rückenmark gegen Erschütterungen und Druck. Zur Entnahme einer Probe wird eine Hohlnadel im unteren Abschnitt der Wirbelsäule in den Wirbelkanal eingeführt und etwas Liquor abgesaugt. Untersucht werden seine Farbe und Konsistenz sowie das Vorkommen von Eiweiß, Zucker, Entzündungszellen, Bakterien, Viren und Pilzen darin. Die Analyse wird bei Verdacht auf Erkrankungen des zentralen Nervensystems (Hirnhautentzündungen, Multiple Sklerose) und manchmal auch zur Alzheimer-Diagnostik durchgeführt.
  • Knochenmark: Darin wachsen die lebenswichtigen Stammzellen, die zu Blutkörperchen oder Blutplättchen heranreifen. Die Untersuchung einer Probe, des Knochen- markpunktats, erfolgt bei Verdacht auf eine Störung der Blutbildung, die wegen Blutkrebs, Nebenwirkungen von Medikamenten, Giften oder Krankheiten des Immunsystems auftreten kann. Zur Gewinnung von Knochenmark wird unter lokaler Betäubung am Brustbein oder Beckenkamm eine Hohlnadel in den Knochen eingeführt. Unter dem Mikroskop sind dann Anzahl und Reifungszustand der verschiedenen Vorstufen der Blutzellen erkennbar.

Labor- und Blutwerte: Das zeigt ein Blutbild

Kleines BlutbildNormalwert MännerNormalwert Frauen
Hämoglobin13,5-17,5 g/dl12-16 g/dl
Hämatokrit40-53%36-48%
Erythrozyten4,5-5,9 Mio. pro µl4,1-5,1 Mio. pro µl
Leukozyten4-10 Tausend pro µl4-10 Tausend pro µl
Thrombozyten140-360 Tausend pro µl140-360 Tausend pro µl
Mineralstoffe
Natrium135-145 mmol/l135-145 mmol/|
Kalium3,6-4,8 mmol/l 3,6-4,8 mmol/l
Kalzium2,15-2,58 mmol/l2,15-2,58 mmol/l
Chlorid95-105 mval/l95-105 mval/l
Magnesium1,8-2,7 mg/dl1,8-2,7 mg/dl
Ernährungsstoffwechsel
Blutzucker80-120 mg/dl80-120 mg/dl
Harnsäure2,3-6,1 mg/dl3,6-8,2 mg/dl
Triglyceride< 150 mg/dl< 150 mg/dl
Gesamt-Cholesterin< 200 mg/dl< 200 mg/dl
HDL> 40 mg/dl> 45 mg/dl
LDL< 130 mg/dl< 130 mg/dl
Homocystein< 10 µmol/l< 10 µmol/l
Sonstige
GOTbis 50 U/lbis 35 U/l
GPTbis 50 U/lbis 35 U/l
Gamma-GTbis 55 U/lbis 38 U/l
Bilirubin gesamt0,1-1,2 mg/dl0,1-1,2 mg/dl
Alkalische Phosphate30-120 U/l30-120 U/l
Pankreasamylasebis 100 U/lbis 100 U/l
Eisen35-168 µg/dl23-165 µg/dl
Kreatinin0,84-1,25 mg/dl0,66-1,09 mg/dl
CRPbis 1,0 mg/dlbis 1,0 mg/dl
Werte aus verschiedenen Quellen zusammengetragen.

Sind Referenzwerte immer Gesundwerte?

Die Antwort gleich vorweg: Nein! Wenn Ihnen ein Arzt mitteilt, dass einige Laborwerte zu hoch oder zu niedrig sind, heißt das nicht, dass Sie krank sein müssen. Ist etwa die Zahl der weißen Blutkörperchen erhöht, so setzen sich wahrscheinlich die Immunzellen gerade ordnungsgemäß mit Erregern auseinander. Umgekehrt schließt ein »normales« Blutbild nicht aus, dass Sie erkrankt sind. Erst die Kombination aus Ihrem Beschwerdebild, den Erfahrungen des Arztes, den Laborwerten und eventuell notwendigen Spezialuntersuchungen bringt Klarheit.

Der Referenz- oder auch Normalwert ist ein Durchschnittswert. Er wird in der Regel bei 95 Prozent gesunder Menschen aus einer vergleichbaren Gruppe ermittelt, zum Beispiel europäische Frauen zwischen 30 und 40 Jahren in der Zyklusmitte. Manche Referenzwerte unterscheiden sich von Kontinent zu Kontinent und von Land zu Land, je nach Messverfahren oft auch von Labor zu Labor.

Viele Faktoren (Parameter, Einflussgrößen) können die Laborwerte beeinflussen, beispielsweise Rasse, Geschlecht, U Körpergewicht, Medikamente, Tagesrhythmus und Lebensweise. Deshalb gelten oftmals – etwa bei roten Blutkörperchen, Hormonen oder Muskelenzymen – für Frauen andere Referenzwerte als für Männer und für Kinder andere als für Erwachsene – zum Beispiel bei Knochenenzymen oder Wachstumshormonen. In der Regel finden Sie in einem Laborbefund bei jedem Messwert die dazugehörigen Referenzwerte des Labors. Oft werden obere und untere Grenzwerte als Schwankungsbreite angegeben, innerhalb welcher Werte als »normal« gelten. Die Angabe »positiv« oder »reaktiv« bedeutet: Eine gesuchte Substanz, etwa der Antikörper gegen das Hepatitis-Virus, wurde gefunden.

Laborwerte + Symptome = Diagnose

Oft ergibt die Laboruntersuchung noch keine Diagnose. Meist bringt erst die Zusammenschau mit den Symptomen Klarheit. Bei Fieber und Durchfall kann etwa eine erhöhte Leukozytenzahl auf eine bakterielle Lebensmittelvergiftung hindeuten. Ohne weitere körperliche Symptome steckt womöglich nur Stress oder Anstrengung dahinter.

Der Gesundheits-Check-up

Wer von einer chronischen Krankheit wie Rheuma oder Diabtin oder von wiederkehrenden Infektionen betroffen ist oder ständig Medikamente einzunehmen hat, der muss regelmäßig zum Arzt. Der Mediziner kontrolliert mithilfe verschiedener Laboruntersuchungen den Krankheitsverlauf sowie die Wirkung und Nebenwirkungen von Medikamenten. Nach den Ergebnissen richten sich die Behandlungsmaßnahmen ebenso wie die Auswahl und Dosierung notwendiger Medikamente.

Wenn Sie über 35 Jahre alt sind, ist alle zwei Jahre ein Gesundheits-Check-up – sozusagen ein Körper-TÜV – zu empfehlen. Ihr Anspruch nach Art und Umfang ergibt sich dazu aus Ihrem Tarif. Auf diese Weise sollen chronische Leiden wie Herz-Kreislauf- Erkrankungen, Nierenschäden und die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) frühzeitig erkannt und Spätfolgen vermieden werden.

Beim Arzt wegen Laborwerte

Bei seiner Suche nach möglichen verborgenen Krankheiten befragt Sie der Arzt zunächst nach Vorerkrankungen und Medikamenten, nach seelischen Problemen und Risikofaktoren wie Stress, Alkohol oder Rauchen. »Anamnese« nennt die Fachsprache diese mündliche Erhebung der persönlichen Krankheitsgeschichte oder der gesundheitlichen Situation.

Zur anschließenden körperlichen Untersuchung gehören:

  • Blutdruck- und Pulsmessung
  • Abhorchen von Lunge und Herz mit dem Stethoskop
  • Ruhe-EKG bei Verdacht auf Herz-Kreislauf-Störungen
  • tiefer Blick in Mund und Rachen zur Kontrolle auf Schleimhautveränderungen und Entzündungen
  • Abtasten des Körpers, etwa nach geschwollenen Lymphknoten oder einem verhärteten Bauch
  • Abklopfen von Nieren, Leber, Milz und Brustkorb, bei dem ein veränderter Klopfschall Störungen verrät

Haemoccult-Test

Stuhlproben werden auf Testkarten aufgetragen und auf den Blutfarbstoff Hämoglobin untersucht, der im Stuhl Mikroblutungen aus Karzinomen und Polypen anzeigt. Der Test ist nicht sehr empfindlich und oft falsch positiv, da es Blutungen auch bei Entzündungen gibt. Auch die Einnahme von Vitamin C, Eisen oder Medikamenten kann den Test verfälschen.

Zum Gesundheits-Check-up gehören standardmäßig auch Urin- und Blutuntersuchungen:

  • Im Blut werden Blutkörperchen und Cholesterinspiegel, Nierenwerte, Leberwerte, Gichtmarker (Harnsäure) und Blutzucker (als Diabetes-Warnzeichen) überprüft.
  • Der Urin wird auf Eiweiß, Zucker, rote Blutkörperchen und Bakterien untersucht und soll Aufschluss über eventuelle Nieren-* erkrankungen geben.

Blutwerte: Krebsvorsorge durch Laborwerte

Jedes Jahr erkranken in Deutschland laut Statistik etwa 57 000 Frauen an Brustkrebs, 40 000 Männer an Prostata- und fast 70 000 Männerund Frauen an Darmkrebs. Werden diese Krebsarten sehr früh erkannt, besteht bei Darmkrebs eine Heilungschance von fast 100 Prozent, bei Brust- und Prostatakrebs immerhin eine von über 90 Prozent Deshalb übernimmt Ihre Krankenversicherung regelmäßige Krebsvorsorge-Untersuchungen mit folgenden Leistungen:

Frauen

Ab dem Alter von 20 Jahren:

  • Jährliche gynäkologische Untersuchung: Zellabstrich des Muttermunds (für den PAP-Test auf entzündliche Zellveränderungen) sowie Tastuntersuchung der Gebärmutter und der Eierstöcke

Zusätzlich ab dem Alter von 30 Jahren:

  • Abtasten der Brüste und Achsellymphknoten durch den Gynäkologen
  • Alle zwei Jahre Hautkrebs-Screening beim Arzt durch Ganzkörper-Untersuchung der Haut

Zusätzlich ab dem Alter von 50 Jahren:

  • Tastuntersuchung des Darmausgangs (rektale Untersuchung)
  • Jährlicher Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl

Zwischen 50 und 69 Jahren:

  • Alle zwei Jahre Mammografie im Rahmen von Screening- Programmen in bundesweit 94 Zentren

Zusätzlich ab dem Alter von 55 Jahren:

  • Erste Darmspiegelung (Koloskopie) zur Krebsfrüherkennung, alle zehn Jahre

Männer

Ab dem Alter von 35 Jahren:

  • Alle zwei Jahre Hautkrebs-Screening beim Arzt durch Ganzkörper-Untersuchung der Haut

Ab dem Alter von 45 Jahren:

  • Abtasten von Hoden, Leistenlymphknoten und Prostata
  • Tastuntersuchung des Darmausgangs (rektale Untersuchung) Zusätzlich ab dem Alter von 50 Jahren:
  • Jährlicher Schnelltest auf verborgenes Blut im Stuhl

Zusätzlich ab dem Alter von 55 Jahren:

Erste Darmspiegelung (Koloskopie) zur Krebsfrüherkennung, alle zehn Jahre

Wichtig: Koloskopie

Der Nutzen einiger Vorsorgeuntersuchungen ist umstritten. Kaum zu bezweifeln ist der Nutzen der Darmspiegelung, denn Darmkrebs ist vermeidbar, wenn seine Vorstufen, die Polypen, rechtzeitig erkannt und entfernt werden. Dies geschieht bei der Koloskopie.

Welches Blut für welchen Blutwerte Test?

Vor der Blutentnahme

Wenn Ihr Arzt Sie morgens »nüchtern« zur Blutentnahme bittet, heißt das, dass Sie mindestens zwölf Stunden nichts mehr gegessen haben dürfen. Auf die folgenden Genüsse und Gewohnheiten müssen Sie vor der Untersuchung verzichten:

  • Frühstück, Kaffee oder Tee mit Zucker und Milch: Diese Getränke beeinflussen die Bluteiweiße, Mineralstoffe und Blutfette, vor allem aber die Konzentration der Triglyceride. Ein morgendliches Käsebrötchen verfettet Ihr Blut und erschwert dem Labor die Analyse.
  • Medikamente, Alkohol und Zigaretten: Sie verändern zum Beispiel Blutdruck und Blutgerinnung, Leber- und Nierenwerte.
  • Körperliche Anstrengungen wie morgendliches Jogging oder andere Arten von Frühsport: Dabei verändern sich beispielsweise Bluteiweiße und Muskelenzyme; auch die Anzahl der Blutplättchen steigt um bis zu 50 Prozent an!
  • Vitamintabletten, Hormonpräparate: Sie können die Gerinnung beeinflussen. Informieren Sie gegebenenfalls den Arzt.

Laborwerte: Unterschiede bei der Blutabnahme

Mal lässt Sie der Arzt an der Vene in der Ellenbeuge zur Ader, mal pikst er nur in den Finger oder das Ohrläppchen? Der Grund: Je nach Untersuchung benötigt das Labor verschiedene Blutmengen.

  • Venenblut: Dieses wird aus oberflächlichen Venen (Ellenbeuge, Unterarm, Handrücken) entnommen. In den Venen strömt das sauerstoffarme, dunkle Blut zum Herzen zurück. In ihnen befindet sich immer etwa 75 Prozent des gesamten Blutes. Hier wird Blut entnommen, wenn eine größere Menge benötigt wird, etwa zur Untersuchung der weißen und roten Blutkörperchen.
  • Kapillarblut: Kapillaren sind die kleinsten Blutgefäße, die die einzelnen Zellen umgeben. Rund fünf Prozent der Blutmenge durchströmen diese feinen Äderchen. Das Blut wird durch Einstich mit einer Lanzette, einem spitzen Messerchen, aus kapillarreichem Gewebe wie Fingerkuppe oder Ohrläppchen gewonnen.

Der austretende Blutstropfen wird in ein feines Glasröhrchen aufgenommen – zum Beispiel für Blutzuckerbestimmungen.

  • Arterielles Blut: Das von der Lunge kommende Blut – etwa 20 Prozent des Gesamtvolumens – ist sauerstoffhaltig und deshalb hellrot. Es wird nur in speziellen Fällen und meist bei schweren Krankheiten aus einer Arterie – einem vom Herzen wegfüh- renden Blutgefäß – an der Innenseite des Handgelenks oder aus der Leiste entnommen. Es dient zur Messung der Blutgase Sauerstoff und Kohlendioxid sowie zur Bestimmung des pH-Werts.

Tipp: So vermeiden Sie blaue Flecken

Halten Sie nach einer venösen Blutentnahme den Arm waagerecht durchgestreckt und drücken Sie einen Mulltupfer fest auf die Einstichstelle. Dadurch sickert das Blut nicht mehr ins Gewebe, wo es sich sonst zu einem Bluterguss mit den berüchtigten blauen Flecken staut.

Blutproben im Einzelnen

  • Nativblut: das im Körper zirkulierende Blut. Es besteht zu 42 Prozent aus festen Bestandteilen wie den roten Blutkörperchen (Erythrozyten), den weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und den Blutplättchen (Thrombozyten) sowie zu 58 Prozent aus dem flüssigen gelblichen Blutplasma. Es enthält 90 Prozent Wasser, 8 Prozent Eiweiß sowie 2 Prozent Fette, Zucker, Salze, Hormone, Enzyme, Vitamine und Mineralien.Das Plasma dient dem Körper als Spedition: Es transportiert Stoffe zu den Zellen und bringt Abfallstoffe wie Milch- und Harnsäure sowie Ammoniak in die Entsorgungszentralen Leber und Niere zurück. Es enthält auch die Gerinnungsfaktoren und die von Abwehrzellen (Lymphozyten) gebildeten Antikörper, die Viren, Pilze und Bakterien bekämpfen.
  • Vollblut: Dies ist das venös, arteriell oder kapillär entnommene Blut. Unbehandeltes Vollblut beginnt sofort nach der Entnahme zu gerinnen. Das Gerinnsel, ein eiweißhaltiges Netzwerk aus Fibrin mit Thrombozyten und Erythrozyten, kann durch Zentrifugieren abgetrennt werden. Die verbleibende leicht trübe Flüssigkeit wird als »Blutserum« oder einfach »Serum« bezeichnet
  • Serum: der zellfreie, flüssige Anteil des Vollbluts nach der Gerinnung. Es ist frei von dem an der Gerinnselbildung beteiligten Fibrinogen und dem daraus entstandenen Fibrin, enthält aber noch lösliche Gerinnungsfaktoren wie zum Beispiel Prothrombin. Es enthält alle sonstigen Bestandteile wie auch Plasma, eignet sich daher ebenso wie Plasma für die meisten Untersuchungen.
  • Heparin-, EDTA-, Citrat-Blut: gerinnungsunfähig gemachtes Vollblut. Zugesetzte Gerinnungshemmstoffe (Antikoagulanzien) wie Heparin, EDTA (Ethylendiamintetraessigsäure) und Citrat halten das Blut flüssig. Durch Zentrifugieren erhält man das Plasma, das noch Gerinnungsfaktoren enthält.Vollbluts. Es wird durch Zentrifugieren von Heparin-, EDTA- flüssigen und festen und Citrat-Blut gewonnen und kann noch Spuren von Zellantei- Teilen, den Blutzellen, len (Thrombozyten) enthalten.
  • Plasma: zellfreier Anteil des mit Antikoagulanzien versetzten Vollbluts. Es wird durch Zentrifugieren von Heparin-, EDTA- flüssigen und festen und Citrat-Blut gewonnen und kann noch Spuren von Zellanteiteilen (Thrombozyten) enthalten.

DAS KLEINE BLUT-EINMALEINS

  • Vollblut = Blutzellen + Gerinnungsfaktoren + Serum
  • Serum = Vollblut – Blutzellen – die meisten Gerinnungsfaktoren
  • Plasma = Vollblut – Blutzellen

Die Blutgruppen

Für Blutkonserven und -transfusionen ist die Blutgruppenbestimmung unverzichtbar, denn bei der Übertragung müssen die Blutgruppen von Spender und Empfänger zueinander passen. Wäre bei einer Transfusion versehentlich Blut der falschen Gruppe verabreicht worden, könnte dies lebensgefährliche Transfusionsreaktionen durch Blutgruppen-Antikörper des Empfängers auslösen.

Man unterscheidet die Blutgruppenmerkmale A, B, AB und 0 – anhand der wichtigsten Oberflächenmerkmale (Antigene) der roten Blutkörperchen. Diese bestehen aus Zuckerkettenmolekülen, deren Aufbau erblich gesteuert ist. Blut der Gruppe A oder B weist jeweils nur das Merkmal A oder B auf, Blut der Gruppe AB hat beide, Blut der Gruppe 0 weist keines der Merkmale auf.

Andere wichtige Merkmale sind die Rhesusfaktoren (Rh). Der Aufbau dieser speziellen Eiweiße (Proteine) ist ebenfalls erblich festgelegt. Der Rhesusfaktor D ist auf Blutkörperchen vorhanden (RhD positiv) oder nicht (RhD negativ).

»Das Blut besteht aus flüssigen und festen Teilen, den Blutzellen. Die Schwerkraft trennt sie voneinander«

 

 

Urheber: fotoquique / 123RF Standard-Bild

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