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Anämie (Blutarmut)

Anämie

Viele Erythrozyten und ein Leukozyt (weiß),

Bei einer Anämie enthält das Blut entweder zu wenig Blutfarbstoff (Hämoglobin) oder nicht genug rote Blutkörperchen (Erythrozyten). Auffallende Blässe kann ein erstes Anzeichen für eine Anämie sein. Um die Schwere der Anämie festzustellen, orientiert sich der Arzt in erster Linie am Wert des Hämoglobins im Blut, da dieses Molekül den Sauerstoff transportiert.

Bei gesunden Menschen werden im Knochenmark rund zwei Millionen Erythrozyten pro Sekunde gebildet, die nach ungefähr sechs Tagen Reifung schließlich funktionsfähig sind. Die Lebensdauer eines Erythrozyten beträgt durchschnittlich vier Monate, dann wird er über die Milz abgebaut.

Blutarmut (Anämie)

Unter Blutarmut versteht man eine Verminderung der roten Blutkörperchen, des Hämoglobins und/oder des Hämatokrits. Der Hämoglobingehalt lässt gemeinsam mit der Erythrozytenzahl und dem Hämatokritwert Rückschlüsse auf die Art der Blutarmut zu. Die häufigste Ursache einer Anämie ist Eisenmangel. Auch chronische Infekte oder Tumoren können verantwortlich sein.

Getestet werden:

Die Aufgabe der Erythrozyten

Die Hauptaufgabe der Erythrozyten ist es, in der Lunge Sauerstoff aufzunehmen, ihn mit dem Blutstrom in jeden Winkel des Körpers zu transportieren und auf dem Rückweg Kohlendioxid mitzunehmen, das dann über die Lunge ausgeatmet wird .

Dazu enthält jedes Blutkörperchen Hämoglobin. Im Hämoglobinmolekül ist das Häm eine eisenhaltige Substanz, die Sauerstoff binden kann. Globin, die zweite Komponente, ist ein Eiweiß. Ein ausgewachsener, gesunder Mensch verfügt in seinen fünf bis sechs Litern Blut über ungefähr 25 Billionen Erythrozyten mit insgesamt etwa 650 Gramm Hämoglobin.

Anämie heißt im Volksmund auch Blutarmut, früher sprach man von Bleichsucht.

Bei einer Anämie liegen meist alle Blutwerte unter dem Durchschnitt. Es gibt aber auch spezielle Formen der Anämie, bei der nur der Hämoglobinwert vermindert ist, während die roten Blutkörperchen oder der Hämatokrit normale Werte zeigen. Der Hämatokrit bezeichnet das Verhältnis des Volumens der Blutzellen zum Gesamtvolumen des Blutes.

Spezielle Anämieformen

Ausgewählte Erkrankungen:

  • hypochrome Anämie: Eisenmangel, Thalassämie
  • hyperchrome Anämie: perniziöse Anämie
  • normochrome Anämie: insbesondere hämolytische Anämie
  • thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP; M. Moschcowitz)
  • angeborene Anämieformen: Kugelzellanämie, Sichelzellanämie, Glukose-6-Phosphatdehyd-
  • rogenase-Mangel, Pyruvatkinasemangel
  • myelodysplastische Syndrome
  • renale Anämie
  • Hyperspleniesyndrom
  • Anämie der chronischen Erkrankung

Erythrozyten bringen Leistung

Das körpereigene Hormon Erythropoetin (EPO) steuert die Produktion der Erythrozyten. Es wird in der Niere gebildet. Je mehr Erythrozyten gebildet werden, umso mehr Sauerstoff kann im Blut transportiert werden – und umso leistungsfähiger wird der Organismus. Biotechnologisch hergestelltes Erythropoetin wurde durch seinen Einsatz als Dopingmittel auch als «Radfahrerdroge» bekannt.

Was kann eine Anämie verursachen?

Eine Anämie kann verschiedene Ursachen haben, darunter z. B. eine geringere Bildung von Erythrozyten aufgrund eines Mangels an Eisen, Vitamin B12, Folsäure oder des Hormons Erythropoetin in der Niere. Möglich ist auch ein Versagen des Knochenmarks (apiastische Anämie). Dazu kann es durch Medikamente oder andere chemische Substanzen kommen, aber auch durch Allergien, Infektionen, Tumoren, eine Leukämie oder eine hohe radioaktive Strahlung.

Blutarmut

Blutarmut

Werden dagegen zu viele rote Blutkörperchen abgebaut, kann das folgende Ursachen haben:

  • Künstliche Herzklappen
  • Antikörper (z. B. durch Transfusion einer nicht blutgruppengleichen Blutkonserve)
  • Vergrößerte Milz
  • Infektionen
  • Nierenversagen
  • Giftige Substanzen
  • Medikamente
  • Genetisch bedingte Defekte der Erythrozyten oder Störungen in ihrem Zellstoffwechsel
  • Genetisch bedingte Zellverformungen (z. B. Sichel- oder Kugelzellanämie)

Weiterhin kann eine Anämie durch einen hohen Blutverlust ausgelöst werden. Durch schwere Verletzungen, Operationen oder auch ein langsam blutendes Magengeschwür kann der Körper mehr Blut verlieren, als er gleichzeitig neu bilden kann.

Welche Symptome deuten auf eine Anämie hin?

Es gibt einige äußere Anzeichen für eine Anämie:

  • Auffallende Blässe
  • Müdigkeit und Konditionsschwäche
  • Konzentrationsmangel
  • Atemnot
  • Kopfschmerzen
  • Herzklopfen

Wie wird eine Anämie diagnostiziert?

Eine einfache Blutabnahme, ein sogenanntes Blutbild, gibt Aufschluss über den Hämatokrit- und den Hämoglobin-Wert. Sollte der Anteil an roten Blutkörperchen oder an Hämoglobin zu gering sein, untersucht der Arzt verschiedene Bestandteile des Blutes genauer, darunter die für die Blutbildung besonders wichtigen Substanzen wie Eisen, Ferritin, Vitamin B12 und Folsäure.

Chronische Erkrankungen, die zu einer Anämie führen können, sind z. B. Rheuma oder Schilddrüsenunterfunktion.

Ein zu geringer Wert an neu gebildeten Blutkörperchen kann einen Hinweis auf eine Schädigung- des Knochenmarks geben. Liegt der Wert dagegen zu hoch, könnte es sein, dass zu viele Erythrozyten abgebaut werden oder verlorengehen. Mit dem Mikroskop kann der Arzt im Blutabstrich erkennen, ob Zellverformungen vorliegen, etwa bei einer Sichelzellanämie.

Wie wird eine Anämie behandelt?

Die Therapie einer Anämie besteht grundsätzlich in der Behandlung der Ursache. Erste Anlaufstellen bei Verdacht auf eine Anämie sind Hausärzte oder Internisten. In schwierigen Fällen werden Patienten auch an spezialisierte Internisten, sogenannte Hämatologen (Blutspezialisten), überwiesen.

Was der Facharzt rät

Die häufigste Ursache für eine Anämie ist Eisenmangel. Dem lässt sich entgegenwirken, indem vermehrt Nahrungsmittel gegessen werden, die reich an Eisen sind. Damit aber der Körper das Eisen überhaupt aufnehmen kann, sind auch Vitamin B12 und Folsäure in der Nahrung notwendig. Eine ausgewogene Ernährung ist die beste Vorsorge. Bei einer diagnostizierten «Blutarmut» wird der Arzt die Ernährungsmaßnahmen erklären.

Eisenpräparate aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt sollten (wie alle Nahrungsergänzungsmittel) nur nach vorheriger Absprache mit einem Arzt eingenommen werden. Besonders bei Kleinkindern besteht die Gefahr einer akuten Eisenvergiftung mit heftigem Erbrechen, starken Magenschmerzen und Durchfall. Bei hohem Flüssigkeitsverlust kann ein Schock zum Tod führen.

Eisen ist ein Vitalstoff. Es ist für die Blutbildung, den Sauerstofftransport durch das Blut sowie zur Kräftigung der Abwehr notwendig. Von den 4 bis 5 Gramm Eisen im Körper eines Menschen sind 2,5 Gramm im Hämoglobin gebunden.

Der tägliche Eisenbedarf eines gesunden Menschen beträgt ein bis fünf Milligramm.

Es sollten ab dem achten Lebensjahr allerdings nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zehn bis 15 Milligramm werden, da nur ein Bruchteil des Eisens vom Darm aufgenommen wird. Während einer Schwangerschaft (30 Milligramm) und in der Stillzeit (20 Milligramm) ist der Eisenbedarf erhöht. Eisenpräparate dürfen aber wegen der Gefahr der Überdosierung nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden.

Besser wäre es ohnehin, grundsätzlich auf eine ausgewogene und damit auch «eisenhaltige» Ernährung zu achten. Eisen ist vor allem in Fleisch, Innereien, Getreide, Brot, Gemüse und Hülsenfrüchten reichlich enthalten.

Bei Verdacht auf Eisenmangel immer den Arzt aufsuchen!

Aus tierischer Nahrung kann der Körper Eisen besser aufnehmen als aus pflanzlicher Nahrung. Vitamin C fördert die Eisenaufnahme.
Müssen auf Verordnung des Arztes Eisenpräparate eingenommen werden, sollte dies ein bis zwei Stunden vor der Mahlzeit geschehen. Bei Nebenwirkungen wie Magenoder Darmbeschwerden muss der Arzt benachrichtigt werden.

Eisen in Lebensmitteln
Wenn Sie Obst essen, tun Sie sich immer etwas Gutes!
Himbeeren wirken fiebersenkend und sind durch ihren hohen Gerbsäure- und Pektingehalt hilfreich bei der Beruhigung des Magen-Darm-Traktes bei Übelkeit und Brechreiz. Sie sind reich an Provitamin A, den Vitaminen B 12, B, und C sowie Kalzium, Kalium, Eisen und Phosphor.Soja ist reich an Ballaststoffen und eines der wenigen pflanzlichen Nahrungsmittel, die vollwertiges Eiweiß liefern. Es enthält acht essenzielle Aminosäuren sowie Vitalstoffe wie Kalzium, Eisen, Magnesium, Phosphor und B-Vitamine, allerdings kein Vitamin B12. Vegetarier, die tierisches Eiweiß durch Soja ersetzen, sollten zusätzlich Vitamin B12 zu sich nehmen. Soja kann helfen, den Cholesterinspiegel zu senken und die Knochendichte aufrechtzuerhalten, was zur Verhinderung von Osteoporose beiträgt.Um Eisen verarbeiten zu können, benötigt der Körper auch Folsäure und Vitamin B12 Eisen findet sich vergleichsweise viel in: Sojabohnen, Haferflocken, Roggen-Vollkornbrot, Spinat, Grunkern/Dinkel. Mandeln. Haselnüssen, Not,irreis, Brombeeren, schwarzen Johannisbeeren, Heidelbeeren, Eiern, rotem Fleisch, Leber.Vitamin B12: Milch, Eier, Fisch, Fleisch
Folsäure: grünes Gemüse, Innereien
Rote Bete: Die rote Bete weist einen hohen Eisen-, Vitamin 3 und Folsäuregehalt auf und ist auch reich an Oxalaten, wie übrigens auch
Seiokobjde oder Mangold.

Drei Fragen an den Arzt

1. Welche Wirkstoffe können eine Anämie verursachen?
Bei häufiger Einnahme von bestimmten Schmerzmitteln kann es zu kleinen Geschwüren im Magen oder Darm kommen, die kaum zu einer Stuhlveränderung führen, aber dennoch einen großen Verlust an Blut bewirken. Schwarz gefärbter, klebriger Stuhl {Teerstuhl) ist ein Hinweis auf eine größere innere Blutung. Er ist ein medizinischer Notfall, der- wie auch ein Erbrechen von Blut – sofort behandelt werden muss.
2. Was kann Eisenmangel verursachen?
Neben einer einseitigen Ernährung kann auch ein schleichender Blutverlust zu Eisenmangel führen, etwa bei

  • starken oder länger andauernden Regelblutungen
  • Hämorrhoiden
  • Blutungen in Magen oder Darm

3. Bekommen ältere Menschen eher eine Anämie?
Im Alter ist eine ausgewogene Ernährung nicht immer selbstverständlich. Das kann zu einem Mangel an Eisen, Folsäure und Vitamin B12 führen. Klagen ältere Menschen über Zungenbrennen oder Kribbeln in den Finger- oder Fußspitzen, kann dies auf eine Anämie hindeuten. Auch allgemeine Schwäche und eine gelbliche Hautfarbe können Hinweise auf eine Anämie sein.

Anämien aufgrund anderer Grunderkrankungen

Anämie chronischer Erkrankungen

Patienten mit chronischen Entzündungen, Infektionen oder mit fortgeschrittenen Tumorleiden weisen häufig eine Anämie auf. Diese wird bei Ausschluss anderer Anämieursachen „Anämie chronischer Erkrankungen“ genannt. Die Erythrozyten sind bei einem Teil der Patienten hypochrom, oft aber normochrom. Im peripheren Blutausstrich sieht man eine leichte Hypochromasie und Mikrozytose, ggf. auch eine milde Anisozytose oder Poikilozytose. Begleitend findet sich häufig eine Thrombozytose.

Die Ursache der Anämie chronischer Erkrankungen ist multifaktoriell. Eisen wird bei chronischen Erkrankungen, insbesondere Entzündungen, oft in Makrophagen gespeichert und steht für die Erythropoese nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung. Ein bei diesem Prozess entscheidendes Makrophagenprotein ist Hep- cidin, das durch Interleukine (IL), besonders IL-6, induziert wird, sekundär die Eisenresorption im Gastrointestinaltrakt verhindert und eine Speicherung von Eisen ln Makrophagen verursacht. Das Ergebnis ist eine Umverteilung von Eisen und eine Verminderung des Eisenspiegels im Serum, obwohl im Körper insgesamt mehr Eisen gespeichert ist. Als weitere Ursache kommt eine Unfähigkeit des Knochenmarks, auf die beginnende Anämie mit einer Steigerung der Erythropoese zu reagieren, infrage. Darüber hinaus kann es zu einem relativen Erythropoetinmangel kommen, der allerdings nicht konsistent beobachtet wird.

Wichtig zu wissen
Merke: Die Anämie chronischer Erkrankungen ist häufig hypo- oder normochrom. Obwohl der Eisenspiegel im Serum vermindert ist, liegt kein Eisenmangel vor. Die Abgrenzung zur Eisenmangelanämie gelingt über den erhöhten Serumferritinwert und den normwertigen löslichen Transferrin- R. Die Therapie richtet sich nach der zugrunde liegenden Erkrankung.

Tumorerkrankung oder einer chronischen Entzündung

IL-1, TNF-α und γ-IFN werden bei einer fortgeschrittenen Tumorerkrankung oder einer chronischen Entzündung durch Endothelzellen, Lymphozyten, häma- topoetische Zellen und Hepatozyten verstärkt freigesetzt. Die daraus resultierende reduzierte Empfindlichkeit der Erythropoese-Vorläuferzellen auf Erythropoetin führt zu einer verminderten Erythrozytenproduktion. Weiterhin verkürzt sich die Erythrozytenüberlebenszeit durch die Makrophagenaktivierung mit anschließender Phagozytose von mechanisch geschädigten Erythrozyten (Fragmentozyten). Durch die vermehrte Ausschüttung von Zytokinen (IL-1, IL-6, TNF-α) wird die Eisenfreisetzung aus den Makrophagen gehemmt. Diese Eisenverteilungsstörung bewirkt trotz ausreichendem Depoteisen einen Eisenmangel an der erythropoetischen Vorläuferzelle. In der Berliner-Blau-Färbung des Knochenmarkaustrichs sieht man das Eisen in den Makrophagen teilweise massiv überrepräsentiert. Generell dauert es etwa 2-4 Wochen, bis der multifaktorielle Mechanismus zur Anämie führt. Bei initial hohen Erythropoetinwerten ist eine Substitution nicht sinnvoll, da wenig Aussicht auf ein therapeutisches Ansprechen besteht.

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Urheber: © corbacserdar / 123RF Standard-Bild

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Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 29.10.2018 statt.