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Blutgerinnung und Blutgerinnungsfaktoren

Blutgerinnung

Blutgerinnung

Die Blutgerinnung ist eine Schutzmaßnahme des Körpers, um den Blutverlust durch verletzte Gefäße zu stoppen. Zum Verschluss einer Wunde wird ein »Blutpfropf« gebildet.

Diesem gehen zunächst zwei Reaktionsabläufe voran: die Gefäßverengung, die bereits unmittelbar nach der Verletzung einsetzt, und die Anlagerung von → Blutplättchen an die verletzte Gefäßwand. Gleichzeitig aktivieren die Blutplättchen die überwiegend aus Eiweißstoffen bestehenden Gerinnungsfaktoren, wodurch die sogenannte Blutgerinnungskaskade in Gang gesetzt wird. Dabei kommt es zu verschiedenen enzymatischen Reaktionen, die das lösliche Plasmaprotein Fibrinogen in unlösliches Fibrin umwandeln.

Manche Menschen leiden an erblichen Störungen von Blutgerinnungsfaktoren. Die bekannteste Gerinnungsstörung, die Bluterkrankheit (Hämophilie), besteht in einem Mangel an dem Blutgerinnungsfaktor VIII.

Für die Wundheilung und als Schutz vor dem Verbluten verfügt der Körper über drei voneinander unabhängige System:

  • Das Zusammenziehen der Blutgefäße nach einer Verletzung
  • Die Bildung von Blutpfropfen durch Thrombozyten zum Abdichten von Lecks, also verletzten Blutgefäßen
  • Das Aktivieren von Gerinnungsfaktoren
    Es sind etwa 30 überwiegend aus Eiweißen bestehende Gerinnungsfaktoren bekannt. Einige bewirken das Verklumpen der Blutplättchen, andere lösen die Blutpfropfen zum Schutz vor Gefäßverschlüssen wieder auf.

Die Blutgerinnung

Nach jeder Verletzung der Blutgefäße versucht der Körper die Wunde abzudichten. Dabei werden innerhalb von wenigen Sekunden die Blutplättchen, verschiedene Gerinnungsfaktoren und Fibrinogen mobilisiert. Fibrinogen ist ein löslicher Eiweißstoff, der im Blutplasma vorkommt. Daraus entsteht bei der Blutgerinnung unter Einwirkung von Thrombin der Blutfaserstoff Fibrin. Die Thrombozyten setzen Enzyme und Gerinnungsfaktoren frei und leiten damit die Blutgerinnung ein. Es entsteht ein Fibrinnetz, in dem die Blutplättchen hängen bleiben. Durch Zusammenziehen des Fibrinnetzes verkleinert sich die Wunde nach und nach. Eine mangelhafte Blutgerinnung kann durch eine gestörte Funktion der Blutplättchen oder der Gerinnungsfaktoren entstehen.

Krankhafte Störungen der Blutgerinnung werden unter dem Begriff »hämorrhagische Diathesen« zusammengefasst. Dazu zählen die Bluterkrankheit, die Verbrauchskoagulopathie und die Blutfleckenkrankheit. Bei diesen Krankheiten gehen mit der verminderten Gerinnungsfähigkeit häufig auch Schädigungen der Blutgefäße einher, wodurch die Blutungsneigung noch mehr zunimmt. Solche Gefäßschäden können auch durch schweren Vitamin-C-Mangel, Leukämie oder bestimmt Infektionen entstehen.

Quick-Te (Thromboplastinzeit), INR

Dieser Test wird unter anderem vor Operationen, zur Kontrolle der Blutgerinnung, zur Überwachung einer Therapie mit gerinnungshemmenden Medikamenten oder zur Überprüfung spezieller Gerinnungsfaktoren (II, V, VII, X) eingesetzt. Ja nach Messverfahren unterscheidet sich der Quick-Wert von Labor zu Labor. Deshalb hat die WHO den INR-Wert (International Normalized Ratio) entwickelt. Er ist eine anders berechnete Norm des Quick- Werts und macht die Werte der Labors besser vergleichbar. Sie geben meist beide Werte an.

Verminderter Quick-Wert/Erhöhter INR-Wert (= verlängerte Thromboplastinzeit)

  • Vitamin-K-Mangel, etwa wegen Fehlernährung, Gallensäuremangel, Darmerkrankungen. Das Vitamin ist an der Bildung einiger Gerinnungsfaktoren beteiligt.
  • Lebererkrankungen (Zirrhose, akute Hepatitis)
  • Mangel an Fibrinogen
  • Anti-Phospholipid-Syndrom

Partielle Thromboplastinzeit (PTT, APTT)

Bei Verdacht auf eine angeborene Bluterkrankheit (Hämophilie) oder zur Kontrolle der Blutgerinnung vor Operationen werden mit dem Test vor allem Gerinnungsfaktoren überprüft, die in der Leber gebildet werden. Bei 95 Prozent aller erblichen Blutgerinnungsstörungen ist die partielle Thromboplastinzeit verlängert.

Verlängerte Partielle Thromboplastinzeit

  • Angeborener Mangel an Gerinnungsfaktoren
  • Gerinnungshemmende Medikamente (zum Beispiel Heparin)

Fibrinogen

Das in der Leber und im Knochenmark gebildete Fibrinogen wird auch Gerinnungsfaktor I genannt und ist das Ausgangsmaterial für die »Fibrinpflaster« , die Leckagen in Blutgefäßen abdichten. Der Fibrinogen-Messwert im Blut verrät, ob im Körper vermehrt Gerinnungsprozesse und somit auch Blutungen stattfinden, wie dies etwa bei chronisch entzündlichen Erkrankungen der Fall ist.

Erhöhter Fibrinogen-Wert

  • Akute und chronische Entzündungen
  • Tumoren
  • Verbrennungen
  • Stoffwechselentgleisung bei Diabetes
  • Nierenversagen mit Harnvergiftung (Urämie)
  • Thrombosen
  • Bluthochdruck

Verminderter Fibrinogen-Wert

  • Leberschäden wie Leberzirrhose
  • Vergiftungen, etwa durch Knollenblätterpilze
  • Thrombosen
  • Starke Blutverluste
  • Große Wunden, etwa Verbrennungen
  • Malaria

REFERENZBEREICHE

  • Blutungszeit
    3-6 Minuten
    (abhängigvon der Technik)
  • Quick-Wert (TPZ)
    70-120 % der Norm im Plasma
  • INR
    Normal: 1,0
    Therapie mit Gerinnungshemmern: 2-4,5
  • Partielle Thromboplastinzeit (PTT, APTT)
    20-38 Sekunden im Plasma
  • Fibrinogen
    150-450 mg/dl im Vollblut

Weiterführende Literatur: Quellen und interessante Links

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Autoren & Experte:
Wissenschaftlicher Beirat: Prof. Dr. med. Hermann Eichstädt, Berlin. Facharzt Innere Medizin & Kardiologie, Lebenszeitprofessor i.R. der Charité Berlin. Geschäftsführender Vorstand der Berlin- brandenburgischen Gesellschaft für Herz- und Kreislauferkrankungen e.V.
Journalist: Horst K. Berghäuser
Heilpraktiker: Felix Teske

Literatur, Quellen und Verweise:
Rationelle Diagnostik und Therapie in der Inneren Medizin
Thieme Verlag
Praktische Labordiagnostik - Lehrbuch zur Laboratoriumsmedizin, klinischen Chemie und Hämatologie
Grönemeyers Buch der Gesundheit
Hallesche Krankenversicherung

Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 18.03.2019 statt.