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Leukozyten sind weiße Blutkörperchen

Leukozyten - die weißen BlutkörperchenTag und Nacht wachen etwa 20 Milliarden Bodyguards über uns im Blut – die weißen Blutkörperchen. Sie werden im Knochenmark gebildet und entwickeln sich schon dort oder im Thymus, einem kleinen Organ oberhalb des Herzens, zu Spezialisten.

Die Leukozyten patrouillieren ständig durch Blut- und Lymphgefäße und Gewebe, sammeln beschädigte Zellen zur Vernichtung ein und bekämpfen körperfremde Substanzen wie Bakterien, Pilze und Viren.

Hauptaufgabe der weißen Blutkörperchen ist die Abwehr von Krankheitserregern und Fremdstoffen. Die weißen Blutkörperchen, die nur ein Prozent der Blutzellen ausmachen, können die Blutbahn verlassen und ins Gewebe wandern, um dort direkt ihre Abwehrfunktion zu erfüllen. Nur zehn Prozent aller Leukozyten zirkulieren im Blut.

Der Rest befindet sich im Gewebe, in den Lymphknoten, im Knochenmark und kann bei einer Entzündung rasch freigesetzt und mobilisiert werden. Erhöhte Leukozytenwerte weisen auf ein alarmiertes Abwehrsystem hin.

Die lebenswichtigen Abwehrzellen sind höchst sensibel: Chronischer Stress und Schlafmangel, Strahlenbelastung, Hormone, Alkohol, Nikotin und der Verzehr von zu viel Fast Food können ihre Schlagkraft enorm schwächen.

weiße Blutkörperchen

weiße Blutkörperchen

Aufgaben und Arten der Leukozyten

Die Leukozyten sind für die Abwehr von Erregern und körperfremden Stoffen zuständig und an der Entstehung von Entzündungen beteiligt. Der Großteil der Leukozyten befindet sich im Gewebe. Ihr Übergang aus der Blutbahn ins Gewebe wird als Diapedese bezeichnet.

Zu den Leukozyten gehören die Granulozyten (Blut und Gewebe), die Monozyten (Blut) und die Makrophagen (Gewebe), die Lymphozyten (Blut und Gewebe), die Mastzellen (Gewebe) und die dendritischen Zellen (Gewebe).

Granulozyten

Im Zytoplasma der Granulozyten liegen körnchenartige Einschlüsse (Granula), die verschiedene Enzyme und Botenstoffe enthalten.

Man unterscheidet 3 Arten:

  • Die neutrophilen Granulozyten kommen besonders zahlreich in den Schleimhäuten vor. Sie sind die ersten Abwehrzellen, mit denen eindringende Erreger in Kontakt kommen. Sie bekämpfen Erreger entweder durch Phagozytose oder dadurch, dass sie den bakteriziden Inhalt ihrer Granula abgeben. Gehen viele Neutrophile am selben Ort zugrunde, entsteht Eiter.
  • Die eosinophilen Granulozyten sind vorwiegend an der Abwehr von Parasiten beteiligt. Sie kommen hauptsächlich in der Schleimhaut von Atem- und Verdauungstrakt vor.
  • Die basophilen Granulozyten befinden sich überwiegend im Blut. Ihre Granula enthalten Substanzen, die an allergischen Reaktionen beteiligt sind.

Monozyten und Makrophagen

Monozyten sind ebenfalls Phagozyten. Sie kommen ausschließlich im Blut vor. Treten sie ins Gewebe über, entwickeln sie sich zu Makrophagen weiter.

Auch die Makrophagen zählen zu den Phagozyten. Nach der Phagozytose schleusen sie Bruchstücke des phagozytierten Materials auf ihre Oberfläche und zeigen sie so den anderen Leukozyten (Antigenpräsentation). Außerdem setzen sie Chemokine frei. Makrophagen kommen in allen Organen vor.

Lymphozyten

Bei den Lymphozyten unterscheidet man B-Lymphozyten (ca. 15 %), T-Lymphozyten (ca. 75 %) und natürliche Killerzellen (NK-Zellen, ca. 10 %).

B-Lymphozyten und T-Lymphozyten gehören zur spezifischen Immunabwehr, d. h., sie entwickeln für jeden Erreger maßgeschneiderte „Waffen“. Die B-Lymphozyten zählen zu den antigenpräsentierenden Zellen, die T-Lymphozyten nicht.

Die NK-Zellen sind v. a. in der Abwehr von Virusinfektionen aktiv. Sie entdecken befallene Zellen und vernichten sie, indem sie Zytotoxine ausschütten. Man findet sie überwiegend im Blut, in der Leber und der Milz.

Mastzellen und dendritische Zellen

Mastzellen kommen überwiegend im Bindegewebe vor. In ihrer Funktion ähneln sie den Basophilen.

Die dendritischen Zellen befinden sich ausschließlich im Gewebe. Ihre wichtigsten Aufgaben sind die Phagozytose und v. a. die Antigenpräsentation. Dazu verlassen sie nach der Phagozytose das Gewebe und gelangen in die Lymphknoten, wo sie den Lymphozyten das Antigen zeigen.

Leukozyten im Überblick

Da die Makrophagen, die Mastzellen und die dendritischen Zellen nur im Gewebe auftreten, werden sie in der Tabelle nicht berücksichtigt. (* Die Referenzbereiche werden in der Literatur nicht einheitlich angegeben.)

Leukozyten Überblick

Leukozyten Überblick

Leukozyten sind weiße Blutkörperchen (Normalwerte: 4.800-10.OOO/µl [mm3]).

Normalwerte Leukozyten im kleinen Blutbild

LaborwerteFrauenMänner
Erythrozyten4,1–5,1 Mill./µl4,5–5,9 Mill./µl
Hämoglobin12–16 g/dl13,6–18 g/dl
Hämatokrit34–44 %36–48 %
Leukozyten4 000–10 000/µl4 000–10 000/µl
Thrombozyten150 000–400 000/µl150 000–400 000/µl
MCV81–96 fl81–96 fl
MCH27–34 pg27–34 pg
MCHC32–36 g/dl32–36 g/dl

Beim sogenannten Differenzialblutbild werden die Leukozyten genau betrachtet. Mithilfe einer besonderen Färbemethode lassen sich die weißen Blutkörperchen in weitere Untergruppen aufschlüsseln. Aus der prozentualen Verteilung, der Größe und dem Reifegrad der Blutzellen kann der Mediziner Rückschlüsse auf bestimmte Krankheiten ziehen.

Leukozyten Arten gesamt

Leukozyten Arten gesamt

Die drei Hauptgruppen der Leukozyten sind:

Differentialblutbild: Leukozyten

 AnteilAbsolute Zahl
Alle Leukozyten100 %4 000–10 000/µl
Segmentkernige neutrophile Granulozyten
50–70 %3 000–5 800/µl
Stabkernige neutrophile Granulozyten
3–5 %150–400/µl
Lymphozyten25–45 %1 500–3 000/µl
Monozyten3–7 %285–500/µl
Eosinophile Granulozyten1–4 %50–250/µl
Basophile Granulozyten0–1 %15–50/µl

Die neutrophilen Granulozyten bekämpfen Bakterien, Viren und Pilze; die eosinophilen und basophilen Granulozyten wehren Parasiten ab. Lymphozyten sind spezialisierte Zellen, während Monozyten die größten weißen Blutkörperchen sind.

Monozyten haben die Fähigkeit, sich in bewegliche Fresszellen zu verwandeln (siehe Kapitel Immunsystem, die Schutzpolizei des Körpers).

Ursachen für Vermehrung der neutrophilen Granulozyten:

  • bakterielle Infektionen sowie auch chronische Entzündungen
  • rheumatische Erkrankungen
  • Pilzerkrankungen
  • Leukämie
  • akute Blutungen

Ursachen für Verminderung der neutrophilen Granulozyten:

  • Virus-Infektionen (Masern, Röteln, Influenza, Epstein-Barr)
  • Autoimmunerkrankungen
  • Malaria
  • Schädigungen des Knochenmarks (Strahlen, toxische Stoffe)
  • Medikamente (z. B. Immunsuppressiva, Malariamittel, Chemotherapie)

Ursachen für Vermehrung der Lymphozyten:

  • Keuchhusten, Röteln, Masern, Tuberkulose
  • chronische Infektionen
  • Überfunktion der Schilddrüse
  • Virusinfekte, Hepatitis

Ursachen für Verminderung der Lymphozyten:

  • Autoimmunkrankheiten
  • hochdosierte Kortisontherapie
  • starker Stress, starke körperliche Belastung
  • Schwangerschaft
  • HIV-Infektion

Ursachen für Vermehrung der Monozyten:

  • abklingende Infektionen (Hinweis auf Genesung)
  • Tuberkulose
  • entzündliche Darmerkrankungen
  • Malaria

Ursachen für Vermehrung der eosinophilen Granulozyten:

  • allergische Erkrankungen, z. B. Asthma
  • Parasitenbefall, z. B. Würmer
  • Scharlach
  • abklingende Infektionen (Hinweis auf Genesung)

Ursachen für Verminderung der eosinophilen Granulozyten:

  • hochdosierte Kortisontherapie
  • Erkrankungen der Nebennieren (Morbus Cushing)
  • Hormonbehandlung

Ursachen für Vermehrung der basophilen Granulozyten:

  • allergische Reaktionen
  • schwere Nierenerkrankungen
  • Schwangerschaft
  • Einnahme der Antibabypille
  • Darmentzündungen (Colitis ulcerosa)
  • Unterfunktion der Schilddrüse
  • Stress
  • Nachwirkungen bei Entfernung der Milz
  • Leukämie

Leukozyten setzen sich zusammen aus:

  • Granulozyten (neutrophile, eosinophile, basophile)
  • Lymphozyten (B-/T-Lymphozyten; natürliche Killerzellen)
  • Monozyten (differenzieren zu Makrophagen)

Erhöhter Leukozyten-Wert (Leukozytose)

  • Bakterielle Infektionen (von Eiterzahn bis Eileiterentzündung)
  • Pilz-, Parasiten- oder Wurmbefall
  • Chronisch entzündliche Erkrankungen wie Bronchitis, Colitis (Darmentzündung), Arthritis (Gelenkentzündung)
  • Stollwcchselerkrankungen wie ein akuter Gichtanfall, starke Schilddrüsenüberfunktion, Schwangerschaftskrämpfe
  • Tumoren, Krebs der blutbildenden Zellen
  • Allergien
  • Rauchen

Stark erhöhter Leukozyten-Wert (über 20 000/µl)

Chronisch myeloische Leukämie (CML) – die häufigste Leukämieform bei Erwachsenen ab 50 Jahren. Für die sichere Diagnose sind weitere Untersuchungen erforderlich, etwa eine Knochenmarkbiopsie (Gewebeprobe).

Zu viele Abwehrkörper im Blut?
Ein von der Norm abweichender Leukozyten-Wert ist nur ein unspezifischer Alarm. Erst die speziellen Leukozyten im Differentialblutbild geben Aufschluss über das Krankheitsgeschehen. Der Arzt achtet hier darauf, ob es einen erhöhten oder verminderten Leukozyten Wert gibt.

Verminderter Leukozyten-Wert (Leukopenie)

  • Chronische oder akute Virusinfektion wie Grippe, Masern, Röteln
  • Schwere bakterielle Infektion, etwa Typhus
  • Malaria
  • Blutvergiftung (Sepsis)
  • Autoimmunerkrankungen
  • Störungen der Blutbildung im Knochenmark, etwa aufgrund einer Schädigung durch radioaktive Strahlen, Pestizide oder Schwermetalle
  • Akute und chronische Vergiftungen, beispielsweise mit Blei, Quecksilber, Benzol, Kohlenmonoxid
  • Medikamente wie Antibiotika, Chemotherapie, Blutdrucksenker, Schilddrüsenhormone, Antidepressiva, H2-Magensäure- Blocker

Referenzbereich

  • Leukozyten
    Erwachsene:
    4000-10000 Leukozyten/µl abhängig vom Analyseverfahren

Granulozyten

Granulozyten Werte

ZellartLeukozytenzahlpro µl Blut
Normalwert4300–10.800/μl
Stabkernige (neutrophile) Granulozyten0 bis 4%150–400/μl
Segmentkernige (neutrophile) Granulozyten45 bis 74%4.800–7.900/μl
Eosinophile Granulozyten0 bis 7%50–750/μl
Basophile Granulozyten0 bis 2%15–200/μl
Lymphozyten16–45 %1.700–4.800/μl
Monozyten4–10 %400–1.000/μl

Leukozyten Arten mit BasiswertenEigenschaften der Leukozyten

  • Kernhaltig
  • Beweglich, Fähigkeit zu Emigration (Auswandern aus der Blutbahn), wobei sie sich enorm verformen können, um durch feinste Lücken zwischen den Gefäßwandzellen auszutreten (Diapedese).

Fortbewegung im Gewebe durch amöboide Bewegungen. Sie können von Stoffen angelockt oder vertrieben werden (Chemotaxis).

Hauptaufgabe ist die Abwehr durch

  • Phagozytose: „Auffressen” von Zelltrümmern oder Fremdkörpern (Bakterien, Viren, Staub).
  • Antikörperbildung und dabei Mitwirken beim
  • Entzündungsprozess.

Spezielle Leukozyten

Die weißen Blutkörperchen erfüllen eine ganze Reihe von Spezialaufgaben im menschlichen Körper. Dafür werden verschiedene »Spezialisten« gebildet, die sich auch von ihrem Aussehen her unterscheiden und dadurch näher bestimmen lassen.

Großes Foto Leukozyten

Leukozyten - die weißen Blutkörperchen

Leukozyten (weiße Blutkörperchen)

Urheber: royaltystockphoto / 123RF Standard-Bild und Roberto Biasini / 123RF

Leukozyten sind weiße Blutkörperchen
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Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 29.10.2018 statt.