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Thrombopoese: Bildung der Blutplättchen

Im Knochenmark bilden sich Thrombozyten (Blutplättchen). Als Thrombopoese bezeichnet man den Vorgang, bei dem Thrombozyten entstehen. Genauso wie alle Blutzellen entstehen Blutplättchen aus einer Knochenmarkstammzelle. Die Knochenmarkstammzelle wird auf Latein als „pluripotente oder multipotente“ bezeichnet. Als Stammzellen werden alle Zellen bezeichnet, die sich aus einer Reihe von verschiedenen Zellarten bilden.

Zwei Vorläuferzellen, nämlich myeloische oder lymphatische, entwickeln sich aus einer einzigen Stammzelle. Die letzteren Zellen entwickeln sich in dem Lymphsystem und nennen sich Lymphozyten. Sie gehören zur Gruppe der Leukozyten.

Eine myeloische Stammzelle nennt sich auch „Hämozyteblast“ und gehört zu der Urzelle aller Blutzellen. Sie wird ebenfalls im Knochenmark gebildet. Außerdem entstehen gemeinsam mit Thrombozyten (Blutplättchen) auch verschiedene Leukozyten-Arten (weiße Blutkörperchen) sowie Erythrozyten (rote Blutkörperchen) im Knochenmark.

Was sind Thrombozyten (Blutplättchen)?

Neben dem Blutplasma enthält das Blut drei andere Zellarten. Die Erythrozyten sind für den Transport von Sauerstoff notwendig. Die Leukozyten sorgen sich um das Immunsystem und wehren Krankheitserreger, Viren und Bakterien ab. Die Thrombozyten spielen eine wichtige Rolle, denn sie sorgen direkt nach einer Verletzung, dass sich die Wunde verschließt. Folglich sind Thrombozyten für die Blutgerinnung von großer Bedeutung.

Wie sind Thrombozyten aufgebaut und wie groß sind sie?

Thrombozyten bezeichnen Mediziner auch als Blutplättchen. Diese gehören zu den Zellen im menschlichen Blut und ihre Hauptaufgabe liegt in der Blutgerinnung. Das ist besonders nach einer Verletzung sehr wichtig, damit sich die Wunde schnell schließt und der Organismus nicht zu viel an Blut verliert. Von den drei genannten Blutzellen sind Thrombozyten die kleinsten Zellen, denn ihre Größte beträgt nicht mehr als 2 bis 3 Mikrometer. Im Vergleich sind Erythrozyten mit 7,5 Mikrometer ungefähr dreimal so groß. Thrombozyten entstehen nicht durch Zellteilung, da sie keinen Kern besitzen und folglich auch über keine DNA verfügen. Sie werden im Knochenmark von den sogenannten Megakaryozyten gebildet. Diese Zellen sind riesig und gehören mit 150 Mikrometern im Durchmesser zu den größten Zellen, die im menschlichen Organismus vorkommen. Die Megakaryozyten verlieren immer wieder „kleine Fetzen“. Dabei kann bereits eine einzige Zelle bis zu 8.000 Fetzen verlieren, die anschließend ins Blut gelangen und dort zu Thrombozyten werden.

„Thrombozyt“ ist ein Begriff, der aus dem altgriechischen stammt und so viel bedeutet wie „klumpen“. Die Oberfläche von Blutplättchen ist nicht glatt so wie bei Erythrozyten, sondern ist voll mit feinen Verästelungen und zahlreichen „Tentakeln“. Die Tentakeln bilden sich erst, wenn die Thrombozyten aktiv werden und die offene Wunde verschließen müssen. Ansonsten würden Thrombozyten die Blutgefäße verstopfen und an den Blugefäßwänden haften bleiben.

Ein gesunder Mensch besitzt ungefähr 150.000 bis 380.000 Thrombozyten pro Mikroliter Blut. Hier zum Vergleich die Anzahl von den anderen zwei Zellarten im Blut:

Die Lebensdauer von den Thrombozyten liegt zwischen acht und zwölf Tagen. Die Blutplättchen werden in der Lunge, in der Milz und in kleinen Maßen in der Leber abgebaut.

Hämatopoese

Die Thrombopoese beginnt direkt in der Phase, in der sich Megakaryoblast bildet. Die vorhergehende Phase ist die Blutbildung und sie wird als Hämatopoese bezeichnet.

Aufgabe der Thrombozyten

Die Blutbahnen müssen verschlossen sein, damit das Blut gut durch den ganzen Körper transportiert wird und nicht an irgendeiner Stelle abfließt. Wenn irgendwo im Körper eine Verletzung auftritt und diese nicht umgehend verschlossen wird, bekommen die Zellen nicht ausreichend von dem Sauerstoff. Folglich kommen die Thrombozyten nur dann ins Spiel, wenn es irgendwo ein Notfall gibt und die Blutbahn verletzt wurde. Thrombozyten fahren im aktiven Zustand ihre „Tentakeln“ aus und bilden sogenannte Klumpen an der Stelle, an der das Blut aus der Blutbahn zu entweichen droht. Somit wird die verletzte Stelle sehr schnell verschlossen und das Blut kann nicht mehr entweichen. Das Gewebe bekommt jetzt die Zeit, die es braucht, um sich zu regenerieren.

Somit sind Thrombozyten vergleichbar mit der Feuerwehr, die immer einsatzbereit ist, wenn es irgendwo einen brenzlichen Notfall gibt. Die Hauptaufgabe ist, die verletze Stelle so abzudichten, dass so wenig wie möglich Blut verlören geht.

Die Blutgerinnung

Am verletzten Gewebe lagern sich die Blutplättchen ab und so läuft vereinfacht erklärt, der Vorgang einer Blutgerinnung ab. Wenn die Blutplättchen im aktiven Zustand ihre Tentakel ausfahren, nehmen sie deutlich an Größe zu und können noch besser das verletzte Gewebe abdichten. Das Enzym Thrombin gibt das Protein Fibrin ab. Dieses Protein sorgt dafür, dass sich Blutplättchen schnell verkleben und daher bezeichnet man Fibrin als den Zellklebstoff. Der Prozess läuft relativ schnell ab, weil das an dem verletzten Gewebe vorbeifließende Blut, viele Thrombozyten enthält. In kurzer Zeit entsteht ein feinmaschiges Netz aus hunderttausenden Thrombozyten, die dafür sorgen, dass andere Bestandteile des Blutes nicht mehr entweichen. Folglich ist die Wunde geschlossen und weder Blut kann austreten, noch Bakterien oder Keime gelangen durch die Wunde ins Blut. Der gesamte Vorgang wird unter den Medizinern als Thrombozytenaggregation bezeichnet. Das Wort „Aggregation“ stammt ebenfalls aus Latein und steht für „Zusammenlagerung“.

Koagulum und Thrombus

Manchmal können wir auf der Wunde eine eitrige und farblich weiße Schicht erkennen. Hierbei handelt es sich um eine Mischung aus den drei Blutzellen: Leukozyten, Erythrozyten und Thrombozyten. Der Zellklebstoff Fibrin hat die drei Blutzellen zusammengeklebt und jetzt sind sie auch mit bloßem Auge sichtbar. Diese Schicht bezeichnen Mediziner als Koagulum.

Von einem Thrombus spricht man, wenn sich im Inneren des Gewebes eine Wune bildet. Ist die Wundheilung erfolgreich verlaufen, werden die Reste abgebaut und aus dem Organismus ausgespült. Allerdings verursacht ein Thrombus in manchen Fällen schwerwiegende Probleme. Das bekannteste Problem ist vermutlich der Herzinfarkt. Das Hauptproblem besteht bei einem Thrombus in der Verhärtung der inneren Wunde und damit einer Verengung des Blutgefäßes. Ein verengtes Blutgefäß wird als Atherosklerose bezeichnet.

Die Haupterkrankungen im Zusammenhang mit der Thrombozyten-Anzahl

Bei einem Mangel an Thrombozyten liegt eine Thrombozytopenie vor. Das ist eine Erkrankung bei der dem Betroffenen die Blutplättchen fehlen und daher die Blutgerinnung nicht richtig funktioniert.

  • Bei einer Milzvergrößerung verringert sich die Lebensdauer von Thrombozyten. Bleibt die Produktion auf demselben Stand wie vor der Milzvergrößerung, fehlt dem Körper trotzdem die notwendige Anzahl an Thrombozyten im Blut. Es kommt zu einer geringen Thrombozyten-Konzentration.
  • Eine Thrombozytose liegt vor, wenn die Thrombozyten-Konzentration im Blut viel zu hoch ist. Auch bei dieser Konstellation kann die Milz verantwortlich sein. Funktioniert die Milz nicht richtig oder wurde sie ganz entfernt, können Thrombozyten nicht mehr in demselben Maße wie zuvor abgebaut werden. Die Folge ist eine viel zu hohe Thrombozyten-Konzentration im Blut.
  • Erkrankungen des Knochenmarks führen ebenfalls zu einer Erhöhung oder Verringerung der Thrombozyten-Konzentration.

Das sind einige seltene Krankheiten, die im Zusammenhang mit Thrombozyten stehen:

  • Wiskott-Aldrich-Syndom
  • TAR-Syndrom
  • Jacobsen-Syndrom
  • Gray-Platelet-Syndrom
  • Morbus Gaucher

Ebenfalls können verschiedene Medikamente Einfluss auf die Thrombozyten-Anzahl nehmen.

Die sekundären Erkrankungen (Beeinträchtigung der Thrombozyten-Funktion)

Als Thrombozytopathie bezeichnen Mediziner Erkrankungen, die im Zusammenhang mit den Thrombozyten-Funktionen stehen. Zu solchen Erkrankungen gehören:

  • Willebrand-Jürgens-Syndrom
  • Bernard-Soulier-Syndrom
  • Glanzmann-Thrombasthenie

Von wem wurden die Thrombozyten entdeckt?

Der deutsche Zoologe und Anatom Max Johann Sigismund Schultze (1825 – 1874) entdeckte im Jahr 1865 die Thrombozyten. Das gelangt ihm aufgrund der Entwicklung von immer besseren Mikroskope. Damit wurde Schultze zum Mitbegründer von Zytologie.

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Letzte Änderungen auf dieser Seite fanden am 29.10.2018 statt.